Gedenkveranstaltung: Vortrag von Dr. Krause-Vilmar
Wie ein ehemaliges Kloster zum Konzentrationslager wurde
Bensheim. Am Beispiel des ehemaligen Konzentrationslagers Breitenau in
Guxhagen bei Kassel erläuterte Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar im
Haus am Markt, wie wichtig es ist, mit den noch wenigen Zeitzeugen zu
sprechen, Einzelschicksale aufzuarbeiten und in der Öffentlichkeit
darüber zu sprechen.
Nicht in Vergessenheit geraten
Nur so könne man erreichen, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten
nicht in Vergessenheit geraten und im "Bewusstsein der Geschichtlichkeit
der eigenen Existenz" einen Platz erhalten, erklärte der
Erziehungswissenschaftler.
Der Hochschulprofessor sprach im Anschluss an die Gedenkveranstaltung
der Stadt Bensheim und der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger (wir
haben darüber berichtet). Thema seines Referats vor einem überschaubaren
Kreis interessierter Zuhörer waren der Umgang mit dem
Nationalsozialismus und die Aufarbeitung des historischen Geschehens.
Einem Zufall war es zu verdanken, dass Dr. Krause-Vilmar durch den Fund
einer Gefangenenakte in Erfahrung brachte, dass in dem ehemaligen
Benediktinerkloster Breitenau ab 1933 "politische Schutzhäftlinge",
darunter viele nicht deutsche Zwangsarbeiter, in einem KZ gefangen
gehalten wurden.
Mantel des Schweigens
In der Gemeinde Guxhagen war nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs
lange Zeit der Mantel des Schweigens über die Nazizeit gehüllt worden.
Nach der Entdeckung und Bergung der Akte gründeten der Wissenschaftler
und seine Studenten eine Geschichtswerkstatt und machten sich an die
Aufarbeitung der Ereignisse von Breitenau.
1984 wurde dort von der Gesamthochschule Kassel, mit Unterstützung durch
den Landeswohlfahrtsverband Hessen, eine Gedenkstätte eingerichtet.
Nicht die politische Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen interessierten die
Wissenschaftler vorrangig, sondern die Einzelschicksale der Menschen -
Polen, Italiener, Franzosen und Deutsche, die in dem Lager gefangen
gehalten wurden. Auch die Gemeinde Guxhagen habe sich nach anfänglicher
Skepsis und Ablehnung darauf eingelassen, die unrühmliche Geschichte des
"Arbeitserziehungslagers" der Kasseler Gestapo, in dem bis Kriegsende
etwas mehr als 8000 Häftlinge einsaßen, zu akzeptieren, erklärte
Krause-Vilmar ("Erst kommt die Gestapo nach Breitenau, dann die
Gesamthochschule").
Resolution gegen Rechts
Das Ergebnis der öffentlichen Diskussionen und Informationen: Guxhagen
verabschiedete als eine der ersten Gemeinden in Deutschland Ende der
80er Jahre eine Resolution gegen Ausländerfeindlichkeit und zwar
einstimmig.
Die Mär, dass nur SA- und SS-Angehörige von Deportationen und Verbrechen
an den Juden gewusst haben, führte der Wissenschaftler ad absurdum.
Bereits 1933 erschien in der "Kasseler Post" ein Bericht, der in
zynischer Weise über das neu eingerichtete KZ mit der Überschrift
berichtete: "Eine Stunde unter Schutzhäftlingen. Besuch im
Konzentrationslager Breitenau". gs
Bergsträßer Anzeiger
13. November 2009
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