Bericht von der Jahreshauptversammlung 2004


Interessante Diskussionsrunde zu Bildungsarbeit mit neonazistischen Jugendlichen -
Lautertaler Jugendpfleger informierte bei der Jahreshauptversammlung der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger

Anlässlich ihrer Jahreshauptversammlung hatte die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V. in der letzten Woche zu einer Veranstaltung mit dem Jugendpfleger von Lautertal, Peter Schuster, eingeladen. Die neonazistischen Aktivitäten im Kreis sind Anlass genug, um über die Wirksamkeit schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit zu sprechen . Gegendemonstrationen der Demokraten bei Auftritten neonazistischer Organisationen sind wichtig, um ein öffentliches Signal zu geben. Andererseits geht es aber vor allem um präventive Jugendarbeit: Jugendliche sollen möglichst frühzeitig gegen rechte Parolen stabilisiert werden. Im Bericht von Peter Schuster und in dem anschließenden Meinungsaustausch wurde freilich deutlich, wie schwierig eine solche Bildungsarbeit ist. Allerdings machen die Erfolge einer zielgerichteten Jugendarbeit, über die der Jugendpfleger berichtete, auch Mut.

In Lautertal gibt es offensichtlich ein Erfolgsrezept: Neonazistischen Ideen zugeneigte Jugendliche werden von diversen Kontaktpersonen im Umfeld in abgestimmten Aktivitäten angesprochen, einbezogen, ermutigt. Im Lautertal haben Vertreter der Kirchen, Verantwortliche aus den Sport- und anderen Vereinen - initiiert durch den Jugendpfleger - nicht weggesehen , sondern ein soziales Netzwerk aufgebaut. Gleichzeitig wird sorgfältig darauf geachtet, die Jugendarbeit nicht nur auf die Arbeit mit gefährdeten Jugendlichen auszurichten. Die "normale" Jugendarbeit darf darüber nicht eingeschränkt werden.

Peter Schuster berichtete - zum Erstaunen der anwesenden Gäste und Mitglieder der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger, darunter einige Lehrerinnen und Lehrer - , dass zunehmend Jüngere, ab 10 oder 12 Jahren, von Neonazis angesprochen werden. Zum Teil spielt bei den unter 16-jährigen dann auch kostenlos und gegen das Jugendschutzgesetz verteilter Alkohol eine Rolle. Die Erfolge dieser Werbeaktivitäten sind beunruhigend. Wird anderswo die kommunale Jugendarbeit aus kurzfristigen Kostenerwägungen abgebaut, greifen Neonazis geschickt diese Lücken auf und "bieten" Abenteuer und Gruppenerlebnisse.

Im Anschluss an die interessante und intensive Diskussionsrunde entlasteten die Mitglieder der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger
e. V. den Vorstand und wählten einstimmig, zumeist bei Enthaltung der Betroffenen, mit einer Veränderung (die Schriftführung übernahm Brigitte Melchers von Eva Mahler, die nicht wieder kandidierte) den alten Vorstand: Peter E. Kalb als Vorsitzenden, Thomas Graubner als Stellvertreter, Brigitte Paddenberg als Schatzmeisterin, Brigitte Melchers als Schriftführerin und Dr. Fritz Kilthau und Gert Helbling als Beisitzer.