Pressetext zu den Veranstaltungen der "Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V." am 08.11.2002


Gedenkfeier auf dem ehemaligen Synagogengelände/
Abendveranstaltung der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V. zum modernen Antisemitismus


In Absprache mit der Stadt Bensheim als Mitveranstalter hat die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V. die diesjährige Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der Reichspogromnacht auf den 8. November gelegt, damit möglichst viele Personen teilnehmen können. Historisch korrekt wäre der 10.November als Datum, der in diesem Jahr aber auf einen Sonntag fällt.

Auf dem ehemaligen Synagogengelände vor der Anne-Frank-Turnhalle an der Nibelungenstraße findet die Gedenkveranstaltung ab 18 Uhr statt. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Georg Stolle für die Stadt Bensheim wird Peter E. Kalb, Vorsitzender der Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V., das Wort ergreifen. Die Gedenkrede hält Prof. Dr. Klaus Ahlheim von der Universität Gesamthochschule Essen zum Thema "Wunden, die die Zeit nicht heilt". Ahlheim, der nach 1945 in Benheim aufwuchs, war Studentenpfarrer in Frankfurt am Main bevor er als Erziehungswissenschaftler zunächst an die Universität in Marburg, später dann an die Universität Gesamthochschule Essen ging.

Musikalisch wird die Veranstaltung von der regionalen Musikgruppe "Arbeiter-Denk-Mal" umrahmt. Zum Schluss der Veranstaltung auf dem Synagogengelände wird wieder wie in den vielen Jahren zuvor das Lied "Moorsoldaten" gesungen.

Im Anschluss daran bietet die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger ab 19 Uhr im Haus am Markt in Bensheim eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Prof. Klaus Ahlheim zum Thema "Moderner Antisemitismus" an, die von Peter E. Kalb moderiert wird. Ahlheim hat sich als Experte für die Bereiche Antisemitismus-Forschung und Fremdenfeindlichkeit einen Namen gemacht. Zum Beispiel war er als wissenschaftlicher Experte Studiogast in einer Phoenix-Sendung zum Thema Antisemitismus in Deutschland im Jahr 2002. In der Veranstaltung am 8.11. um 19 Uhr wird Ahlheim dann über Forschungen in diesem Feld aus seiner Werkstatt berichten und auch einen Überblick über die Dimensionen des modernen Antisemitismus nicht zuletzt im Hochschulmilieu geben. Auf der Veranstaltung wird darüber zu sprechen sein, wie die Affäre Möllemann kurz vor der Wahl oder die Antisemitismus-Debatte im Zusammenhang mit der jüngsten Romanveröffentlichung von Martin Walser bei Suhrkamp einzuschätzen ist. Michel Friedmann vom Zentralrat der Juden in Deutschland, den die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger e.V. vor einigen Jahren als Gedenkredner für diese Veranstaltung in Bensheim gewinnen konnte, hält das Verhalten Möllemanns für einen Zivilisationsbruch. Kommt jetzt wieder lange Verborgenes zu Tage? Gesellt sich zu den Versuchen, Synagogen in der Bundesrepublik Deutschland anzustecken, nun auch wieder in anderen Kreisen ein Antisemitismus, der salonfähig geworden ist ? Die Diskussion mit Prof. Ahlheim verspricht höchst spannend zu werden.