| 16.09.02 ...Gedenkveranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge in Bensheim | ||
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Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es Gedenkveranstaltungen zur sogenannten Reichskristallnacht 1938 in Bensheim: Aufgrund einer Initiative der Gruppe "Gewerkschafter gegen den Faschismus", aus der später die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger hervorging, entstand diese Tradition des Gedenkens und Erinnerns am Jahrestag der Synagogenzerstörung. Seit zwei Jahren veranstaltet die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger diese Feier zusammen mit der Stadt Bensheim.
In diesem Jahr findet die Gedenkfeier schon am 8. November statt, nicht am eigentlich historischen Datum 10.11.: damit soll einer größeren Gruppe von Interessenten die Teilnahme ermöglicht werden. Am 8. November um 18 Uhr wird am Mahnmal auf dem ehemaligen Synagogengelände Prof. Dr. Klaus Ahlheim ( Universität Essen) die Gedenkrede halten, die unter dem Titel "Wunden, die die Zeit nicht heilt" steht. Ahlheim ist einer größeren Öffentlichkeit in Fernseh-Talkrunden als höchstkompetenter Experte zu Fragen des modernen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus bekannt geworden. Am gleichen Tag ( 8.11.02) bietet die Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger eine öffentliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung um 19 Uhr im Haus am Markt, Bensheim, mit Prof. Ahlheim an. "Schlussstrichmentalität und moderner Antisemitismus" ist das Thema, bei dem es u.a. um eine Nachbetrachtung der als antisemitisch eingestuften Vorfälle in diesem Jahr geht, die mit den Namen Jürgen Möllemann und Martin Walser verbunden waren. Klaus Ahlheim wird u.a. die Ergebnisse einer Studie vorstellen, die die Einstellungen junger Menschen zu Antisemitismus, Holocaust und NS-Vergangenheit erhoben hat. Über ein Drittel der Befragten will einen "Schlussstrich" unter die nationalsozialistische Vergangenheit ziehen. Dieser Wunsch ist bei vielen eng verbunden mit der Sehnsucht nach neuem nationalem Selbstbewußtsein und auch mit einer bestimmten Form des Antisemitismus, die Thema und Dynamik aus dem problematischen Umgang mit der NS-Vergangenheit und dem Holocaust gewinnt: Man fühlt sich durch die Erinnerung an den Holocaust von "den Juden" gestört, belästigt, behindert, wähnt sich gar selbst dauerhaft verfolgt und reagiert darauf mit antijüdischem Affekt. Eine Biographie Klaus Ahlheims, der seine Kindheit und Jugend in Bensheim und Bensheim-Auerbach erlebte, finden Sie hier. Außerdem können Sie eine Übersicht über die Publikationen Ahlheims erhalten. Die musikalische
Umrahmung der Gedenkfeier am 8.11.02 wird die Gruppe Muggefugg aus Heppenheim
übernehmen: Wolfgang Wegmann, Ludwig Müller, Walter Kemp Schlesinger.
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